Durch die technische Trocknung kann die Estrichtrocknung um Wochen verkürzt werden!

Trocknen mit Plan

Sättigung der Luft

Die Sättigung der Luft (100 % r F) liegt dann vor, wenn die Luft keine Feuchtigkeit mehr aufnehmen kann. Der absolute Gehalt an Feuchtigkeit ändert sich mit der Temperatur.

Sättigung der Luft
100 % relative Luftfeuchtigkeit

Relative Luftfeuchtigkeit

Die relative Luftfeuchtigkeit wird in % r F (rel. Feuchte) angegeben. Die relative Luftfeuchtigkeit errechnet sich aus dem Verhältnis des vorhandenen Feuchtigkeitsgehaltes der Luft und dem max. aufnehmbaren Feuchtigkeitsgehalt der Luft.

Taupunkttemperatur

Wenn bei einer bestimmten Temperatur die Sättigung der Luft (100 % r F) erreicht ist, so spricht man vom Erreichen der Taupunkttemperatur.

Kapillarer Wassertransport

Beim kapillaren Wassertransport wird Wasser in flüssiger Form innerhalb eines Baustoffes transportiert. Der Transport ist von den vorhandenen Poren abhängig (Strohhalmeffekt). Beim kapillaren Wassertransport sind die Poren mit Wasser gefüllt. Wenn der Wasseranteil zurückgeht, reißt der kapillare Flüssigkeitsstrom ab. Ab diesem Punkt erfolgt die Trocknung durch Dampfdiffusion.

Dampfdiffusion

Ist der kapillare Flüssigkeitsstrom abgerissen, erfolgt die Trocknung nur noch durch Dampfdiffusion. Diese ist abhängig von der Temperatur (Energie), sowie der Dampfdurchlässigkeit des Baustoffes. Diese wiederum ist abhängig von der Dichte des Baustoffes bzw. von dem Porenvolumen.

Gleichgewichtsfeuchte

Die Gleichgewichtsfeuchte ist vom jeweiligen Baustoff abhängig. Gleichgewichtsfeuchte liegt dann vor, wenn ein Baustoff (z.B. Estrich) mit dem vorhandenen Klima im Gleichgewicht steht. Ein Baustoff ändert seine Eigenfeuchtigkeit in Abhängigkeit von den ihn umgebenden klimatischen Verhältnissen. Wird die umgebende Luftfeuchte höher, so steigt die Materialfeuchte an bis ein Gleichgewichtszustand erreicht ist. Dies bedeutet in der Praxis, dass ab einer bestimmten Luftfeuchte der Baustoff durch normales Trocknen (Belüftung) nicht mehr trockener, sondern unter Umständen feuchter wird (Rückbefeuchtung).

Trocknungsverhalten

Der im Estrich enthaltene Anteil an Überschusswasser muss zur Trocknung entfernt werden. Die Trocknung geschieht anfangs durch kapillaren Wassertransport. Das Wasser wird an die Oberfläche des Baukörpers , bspw. Mauerwände, Putzflächen, Estrich transportiert um dort zu Verdunsten.

Abhängig von der Porenverteilung und Porengröße reißt dieser kapillare Wassertransport irgendwann ab. Ab diesem Zeitpunkt verlangsamt sich die Trocknung, da auch im Estrich der weitere Feuchtetransport durch Wasserdampfdiffusion erfolgt.

Bei der Trocknung durch Lüftung müssen bestimmte klimatische Voraussetzungen erfüllt sein, damit eine Trocknung erfolgen kann:

  • Die relative Feuchte der Außenluft darf nicht zu hoch sein.
  • Die Außentemperatur muss niedriger sein als die Innentemperatur.
  • Ist dies umgekehrt, kann es zu Rückbefeuchtung kommen
  • Die Außenluft sollte in Bewegung sein. Bei stehender Außenluft kann der Feuchtetransport nur über Konvektion erfolgen.

Bei Erfüllung dieser Vorbedingungen ist eine „natürliche“ Trocknung überhaupt erst möglich!

Bauwerksbedingungen

Um eine Bauwerkstrocknung effektiv durchführen zu können, sind die nachstehenden Bauwerksbedingungen herzustellen:

  • Das Bauwerk sollte nicht durch abgehängte Planen am Luftwechsel gehindert werden
  • Fenster und Öffnungen müssen verschließbar sein. Dies ist erforderlich um die Innenluft aufheizen zu können um danach einen Luftwechsel herbeiführen zu können
  • Die Erwärmung der Innenluft darf nicht mittels direkter Gas- oder Ölheizung erfolgen. Bei direkter Gasheizung entstehen z. B. bei der Verbrennung eines Kilogramms Propangas ca. 1,64 kg Wasser, die ebenfalls durch Trocknung abgeführt werden müssen

Lüftung / Trocknung

  • Bei der Trocknung kommt es darauf an, dass Luft Feuchtigkeit aufnimmt und diese feuchte Luft wieder aus dem Gebäude entfernt wird
  • Eine „natürliche“ Trocknung funktioniert nur dann, wenn die vorher beschriebenen Voraussetzungen gegeben sind
  • Da durch die räumliche Geometrie Luftströme nicht immer alle Raumbereiche erreichen können, kann die Trocknung dadurch unterstützt werden, dass Luftströme z.B. durch Ventilatoren umgeleitet werden
  • Bei innenliegenden Räumen oder Räumen mit nur wenig Außenöffnungen (z.B. Keller) kann der Einsatz von Ventilatoren die Trocknung stark beschleunigen

Klimaänderungen nehmen also einen großen Einfluss auf das Trocknungsverhalten des Baukörpers und letztendlich auf das Trocknen von Estrichen. Dem wird leider allzuoft in den Berechnungen des Bezugsfertigstellungstermins keine Beachtung geschenkt.  Das Risiko von Folgeschäden durch Restfeuchte übersehen.

Sommermonate:

Auch im Sommer gilt, dass hohe Temperaturen alleine der Luft die in die Bausubstanz eingebrachte Bauzubstanz eingabrache Feuchtigkeit nicht entziehen können.  Selbst in der wärmeren Jahreszeit würden Estriche nicht austrocknen, wenn die relative Luftfeuchte so hoch ist, dass die Luft überhaupt keine Esrichfeuchtigkeit mehr aufnehmen kann. Es besteht sogar die Möglchkeit, dass ein fast trockner Estrich bei Dauerlüftung und hoher Luftfeuchte durch Feuchtigkeitsaufnahme wieder feucht wird.

Wintermonate:

Kalte Luft kann wenig Feuchtigkeit aufnehmen. Spätestens bei Temperaturen unterhalb 10°C sollte mit der Bautrocknung zusätzlich geheizt werden, weil sich bei diesen Klimaverhältnissen kaum noch Feuchtigkeit in der Luft binden kann.

Durch mechanische Trocknungsmaßnahmen kann man die Klimabedingungen im Bauwerk beeinflussen.

Kondensationstrockner

Kondensationstrockner arbeiten nach dem umgekehrten Kühlschranksystem. Warme feuchte Luft wird über ein Kühlelement geleitet und so die Feuchtigkeit zum Kondensieren gebracht. Das Kondensat tropft in einen Kanister und muss regelmäßig entfernt werden. Die trockene, warme Luft wird in den Raum geblasen und kann neue Feuchtigkeit aufnehmen Kondensationstrockner bringen ihre beste Leistung im Temperaturbereich zwischen 15°C und 30 °C

Im Gegensatz zur Lüftung muss bei Einsatz von Kondensationstrocknern Energie zugeführt werden.

Funktionsprinzip Kondensationstrockner

Die Auswahl der Kondensationstrockner muss auf das jeweilige Bauvorhaben abgestimmt werden.

Ventilation

Versuche haben ergeben, dass man die Trocknung durch Lüftung stark unterstützen kann, wenn man Ventilatoren einsetzt. Dies erfordert aber grundsätzlich, dass die Voraussetzungen für eine natürliche Trocknung gegeben sind und die Gefahr einer Rückdurchfeuchtung auszuschließen ist. Durch den Luftstrom des Ventilators wird die Wasseraufnahme der Luft gesteigert und es kommt zu einem stärkeren Trocknungseffekt.

Lufterwärmung

Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kalte Luft. Zur Erwärmung der Luft können z. B. elektrische Heizgeräte eingesetzt werden Mit Propangas betriebene Heizungen eignen sich nicht zur Trocknung. Bei der Verbrennung von Propangas entstehen unter Sauerstoffbindung Wasser und Kohlendioxyd. Pro Kilogramm Propan werden 1,64 kg Wasser freigesetzt. Ein Heizgerät mit 30 kW produziert ca. 4 Liter Wasser je Stunde. Bei einem 24-stündigen Betrieb werden ca. 100 Liter Wasser freigesetzt und an die Raumluft abgegeben. Wird diese nicht ständig abgeführt, nehmen Putz und Estrich erhebliche Feuchtigkeitsmengen auf. Eine Trocknung findet nicht statt.